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Vorstellung einiger zeitloser Texte oder:
Der Club der toten Dichter

:-)

Heute heißt es zwar nicht mehr Kolonialisierung, sondern Globalisierung und Kriege führen wir auch nicht mehr. Wir führen lediglich einige Friedensmissionen und erklären jedweden Gegner (einst: Freiheitskämpfer) zu Terroristen...

Jedenfalls las ich folgendes Gedicht erstmals (ironischerweise) zur Jahrhundertwende, nur halt 200 Jahre nach Relevanzzeitpunkt. Es bewegte mich sehr, denn es schien brandaktuell zu sein. Statt Franke und Brite - Europäer und Ami, statt Gold vielleicht lieber Öl und für muß, eben halt muss.

 

Friedrich Schiller

Der Antritt des neuen Jahrhunderts
An ***

Edler Freund! Wo öffnet sich dem Frieden,
Wo der Freiheit sich ein Zufluchtsort?
Das Jahrhundert ist im Sturm geschieden,
Und das neue öffnet sich mit Mord.

Und das Band der Länder ist gehoben,
Und die alten Formen stürzen ein,
Nicht das Weltmeer hemmt des Krieges Toben,
Nicht der Nilgott und der alte Rhein.

Zwo gewalt’ge Nationen ringen
Um der Welt alleinigen Besitz,
Aller Länder Freiheit zu verschlingen,
Schwingen sie den Dreizack und den Blitz.

Gold muß ihnen jede Landschaft wägen,
Und, wie Brennus in der rohen Zeit,
Legt der Franke seinen ehrnen Degen
In die Wage der Gerechtigkeit.

Seine Handelsflotten streckt der Brite
Gierig wie Polypenarme aus,
Und das Reich der freien Amphitrite
Will er schließen wie sein eignes Haus.

Zu des Südpols nie erblickten Sternen
Dringt sein rastlos ungehemmter Lauf,
Alle Inseln spürt er, alle fernen
Küsten – nur das Paradies nicht auf.

Ach umsonst auf allen Länderkarten
Spähst du nach dem seligen Gebiet,
Wo der Freiheit ewig grüner Garten,
Wo der Menschheit schöne Jugend blüht.

Endlos liegt die Welt vor deinen Blicken,
Und die Schiffahrt selbst ermißt sie kaum,
Doch auf ihrem unermeßnen Rücken
Ist für zehen Glückliche nicht Raum.

In des Herzens heilig stille Räume
Mußt du fliehen aus des Lebens Drang:
Freiheit ist nur in dem Reich der Träume,
Und das Schöne blüht nur im Gesang.

Friedrich Schiller

Quelle: Philipp Reclam jun. Leipzig